Was braucht es um sich Urverstand zu erschließen

Ganz zu Anfang steht die eindeutige Unterscheidung von Verstand und Urverstand. Immer wenn wir unseren Verstand nutzen dann können wir unseren Urverstand nicht nutzen. Immer wenn wir Zugang zu unserem Urverstand haben können wir nicht im Verstand sein.

Urverstand entwickelt sich aus dem freien unkonditionierten Bewusstsein. Damit ist Urverstand keine Form von Vergangenheit sondern eine Form von Neubetrachtung.

Urverstand braucht einen Raum frei von Ego-Verstand (Alltags-Bewusstsein) und innere Offenheit für Neues.

Der Verstand wirkt im und mit dem Denken. Urverstand wirkt im freien Bewusstsein und scheint für das Denken eine Qualität von „Eingabe“ (Intuition) oder „innerem Wissen“ zu haben. Da der Verstand weder Eingabe noch inneres Wissen durch Denken wirklich bewerten kann ist gedankliches verstehen im klassischen Sinne nicht möglich. Es kann ein tieferes verstehen – abseits der Gedanken – eintreten.

Jeder kennt es im Nachhinein – eigentlich wusste ich es schon irgendwie, habe es aber dann trotzdem gemacht. In solchen Fällen war ein inneres Wissen bereits da, der Verstand oder die Verhaltensmuster haben sich dann aber über dieses innere besser Wissen hinweggesetzt.

Wir sind es nicht gewohnt mit dem inneren Wissen umzugehen, stattdessen weichen wir lieber auf gewohnte Verstandesentscheide aus.

Hierzu noch mal 2 meiner so gern verwendeten Zitate von Albert Einstein zu diesem Thema.

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“

„Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.“

Der intuitive Geist ist damit der Urverstand und der rationale Verstand ist unser gewöhnlicher Verstand. Wenn wirklich Neues in unseren Verstand eintritt, so kommt dieses über den Urverstand, in der Regel meist ohne dass wir dies bemerken. Uns scheint dann als wäre das Neue aus dem Verstand entstanden. Neues ist aber kein Resultat des gewohnten Denken.

Dies bedeutet dass wir für wirklich individuell neue Dinge auch direkt unseren Urverstand bemühen könnten. Aber wie? Der Umweg über den Verstand gelingt nur mehr oder weniger zufällig. Der direkte Zugang zum Urverstand ist kaum bekannt.

Zu ergründen wie wir unseren Urverstand ohne Umweg über den Verstand wirklich nutzen können ist einer Betrachtung wert.

Ist es dazu nötig und sinnvoll ein Erklärungsmodell für Urverstand zu finden? Wohl eher nicht, da eine grundlegendere Ebene (freies Bewusstsein und Urverstand) nie hinreichend durch eine einfachere Ebene (Verstand) erklärt werden kann. Ein Erklärungsversuch führt nur zu einem nicht ausreichenden Modell der Wirklichkeit, welches die Wirklichkeit schmälert. Zudem führt der Wunsch etwas herstellen zu können (konditioniertes Bewusstsein) zu einer Form des Herstellens. Jegliche Form ist aber immer ein Teil des konditionierten Bewusstseins und bringt uns vom freien Bewusstsein – welches nötig ist -weg.

Ein kleines Beispiel hierzu:

Um das Gehen zu lernen ist es nicht nötig die phyisikalischen Prozesse des Gehens zu erfassen. Ausreichend ist der jedem Menschen innenliegende Wunsch gehen zu können. Dieser Wunsch führt uns in einem geeigneten Umfeld wie von selbst zu einer guten bis sehr guten Form des Gehens. Das Gehen erschließt sich uns. Ähnlich ist es mit vielen anderen Dingen die wir gut bis sehr gut in unserem Leben uns erschlossen haben. So funktioniert es auch mit dem Urverstand.

Um die Nutzung des Urverstandes uns wieder zu ereschliessen ist es wie beim Gehenlernen. Wir dürfen wackelig sein und uns eingestehen auch mal „hinzufallen“. Bleiben wir dran und bewerten unser „Hinfallen“ nicht als Scheitern, dann wird sich uns auch der Bereich des unkonditionierten Bewusstseins und der Urverstand uns erschliessen. Darauf können wir vertrauen, wie wir es beim Gehenlernen und vielen anderen Dingen schon oftmals getan haben. Das Einzige was uns dabei im Wege stehen könnte ist unser Ego-Ich mit seinen Emotionen, inneren Bewertungen – seiner Ungeduld.

Es geht im übrigen nicht darum was besser ist – Verstand oder Urverstand. Sondern alles zu seiner Zeit und wo es angemessen und hilfreich ist.

Nur Mut, denn wir waren schon immer mutig neues zu Lernen.