Der Anfang vom Ende der Psyche?

Eine provokante These, an der doch viel dran ist.

Wollen wir uns erst ein mal ansehen was als Psyche früher und heute verstanden wird.

Zur Bedeutung von Psyche in der Antike hierzu die aktuelle Definition aus Wikipedia:

„Die Psyche (altgriechisch ψυχή, psychḗ, für ursprünglich „Atem, Hauch“, von ψύχω, „ich atme/hauche/blase/lebe“) wurde im Altgriechischen in sehr umfassendem Sinn verstanden und auch zur Umschreibung der ganzen Person verwendet (ähnlich wie im Deutschen Mein Seelchen, Du, meine Seele u. ä.), bis hin zur Bezeichnung des Kostbarsten, des Wertvollsten überhaupt“

Im Gegensatz hierzu die Definition heute, auch aus Wikipedia:

„Mit Psyche wird somit heute vorwiegend die „subjektive“ oder „innere“ Erlebensseite des – im Ganzen auch Handeln und sonstiges Reagieren einschließenden – Gegenstandsbereichs der Psychologie gemeint.“

„Die Psychotherapie beschäftigt sich mit der Heilung bzw. Behandlung der erkrankten Seele“

Es ist nun die Frage um was es genau geht, wenn bei der Psychotherapie die Rede ist von einer erkrankten Seele ist. Kann die Seele wirklich erkranken? Oder erkrankt hier was anderes als die Seele?

Was ist Seele? Hierzu gibt es zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen.

  • Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend mit dem Begriff Psyche synonym (Wikipedia)
  • Als Seele kann aber auch eine Instanz jenseits der vergänglichen Psyche verstanden werden. Das das immer schon ist und immer sein wird. Seele ist dann der Bereich der das aktuelle menschliche Leben überdauert und über den Tod bestand hat. In dieser Sichtweise ist es einfach ein Erfahrungsspeicher der über unsere Erfahrungen aus dem aktuellen Leben hinaus geht.

Zweitere Sichtweise geht damit weit über unsere Psyche (das aktuelle Erleben im aktuellen Leben) hinaus.

Die Psyche ist an unser aktuelles modifiziertes Ego gekoppelt und endet mit dem physischen Tod. Im Tod unseres aktuellen Körpers löst sich das modifizierte Ego auf. Eckart Tolle meint sinngemäß zu unserem modifizierten Ego, das dies die größte Illusion unseres Seins ist. Es wäre sozusagen sowas wie die eigentliche Krankheit unseres Geistes, eben eine Denk-Illusion.

Was wären wir ohne dieser Illusion? Wir wären ein menschliches Wesen mit überdauernder Seele, Geist und einer gewissen Göttlichkeit.

Wo entstehen all unsere Probleme in uns? Probleme sind nur da möglich wo die Wirklichkeit durch uns eine Bewertung erfährt. Sind wir bewertungsfrei dann gibt es in uns auch keine Probleme. Wodurch entstehen unsere inneren Bewertungen der Wirklichkeit? Sie beruhen auf unseren individuellen persönlichen Erfahrungen im kulturellen Umfeld die sich in unserem modifizierten Ego innerlich manifestiert haben.

Haben wir beispielsweise im freien unkonditionierten Bewusstsein keine Bewertung, dann enstehen keine Diskrepanzen zwischen äusserer und innerlicher Wirklichkeit und damit auch keine Probleme. Ist das einfach hinzubekommen? Nein, denn wir sind es vor Allem durch unser soziales wie kulturelles Umfeld nicht gewohnt im freien unkonditionierten Bewusstsein zu sein. Vielmehr wird uns von Anfang an und insbesondere im schulischen Umfeld beigebracht was zu sein hat. Denken, modifiziertes Ego und Wissen stehen heute über dem Sein. Richtiger wäre, daß Denken, modifiziertes Ego und Wissen sich dem Sein unterordnet.

Einstein meinte hierzu in einem Zitat:

„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“